Performance-Kennzahlen entwickeln sich weiter. Die Core Web Vitals wurden 2020 eingeführt. Sie lösten ältere Kennzahlen ab (FCP, FID). In fünf Jahren werden neue Kennzahlen die Core Web Vitals ablösen.
Künftige Kennzahlen werden messen: das Laden von KI (wie lange es dauert, bis KI-Funktionen antworten), Echtzeit-Reaktion (wie lange es dauert, bis gestreamte Antworten erscheinen) und gefühlte Performance (wie sich die Seite anfühlt, nicht nur technische Werte).
Die Frage lautet: Wie bereiten wir uns auf künftige Kennzahlen vor, wenn wir sie noch nicht kennen? Die Antwort: Miss, was für dein Geschäft zählt. Die Core Web Vitals messen das allgemeine Nutzererlebnis. Eigene Kennzahlen messen Ergebnisse, die zu deinem Geschäft passen. Bereite dich vor, indem du Flexibilität in dein Messsystem einbaust.
Die Entwicklung der Kennzahlen verfolgen
Die Core Web Vitals sind der heutige Standard. Aber sie sind nicht für immer.
Zeitverlauf:
- 2020: Core Web Vitals eingeführt (LCP, CLS, FID)
- 2022: FID durch INP ersetzt (Kennzahl für Reaktionsfähigkeit verfeinert)
- 2024: Diskussion über die nächsten Kennzahlen (Wartezeit bei Interaktionen, Antwortzeit bei Streaming)
- Zukunft: neue Kennzahlen entstehen
Das Muster: Wenn sich die Technik ändert, ändern sich die Kennzahlen. Als Seiten interaktiv wurden, wurden Kennzahlen für Interaktion (INP) wichtig. Wenn KI-Funktionen alltäglich werden, kann die KI-Antwortzeit zu einer wichtigen Kennzahl werden.
Die Lehre: Konzentriere dich auf die Grundsätze (Nutzer erleben eine schnelle, reaktionsfähige und stabile Seite), nicht auf die Kennzahlen selbst. Die Grundsätze bleiben stabil, auch wenn sich die Kennzahlen ändern.
KI und Echtzeit-Performance
KI-Funktionen werden alltäglich. Ein Chatbot auf einer Website braucht zwei Sekunden für die Antwort. Nutzer erwarten es schneller.
Eine neue Kennzahl: die KI-Antwortzeit (Zeit von der Frage des Nutzers bis zum ersten Token der KI-Antwort).
Beispiel: ein Kundenservice-Chatbot auf der Support-Seite. Ein Nutzer stellt eine Frage. Der Chatbot braucht zwei Sekunden, bis das erste Token der Antwort kommt. Der Nutzer empfindet den Chatbot als langsam und träge.
Optimierung: Streaming der Antwort. Das erste Token kommt nach 500 Millisekunden, die restliche Antwort wird gestreamt. Der Nutzer empfindet die Antwort als sofort da, auch wenn die ganze Antwort zwei Sekunden dauert.
Eine künftige Kennzahl: die Zeit bis zum ersten Token (TTF) statt der gesamten Antwortzeit. Eine TTF unter 500 Millisekunden ist gut.
Ein Praxisbeispiel: eine SaaS-Software mit eingebettetem KI-Assistenten.
Heutiges Nutzererlebnis:
- Der Nutzer klickt auf das Assistenten-Symbol
- Der Assistent braucht 1,5 Sekunden, bis er erscheint
- Der Nutzer wartet und empfindet es als langsam
- Der Chat fühlt sich langsam an
Künftige Optimierung:
- Der Nutzer klickt auf das Assistenten-Symbol
- Das Symbol animiert sofort (sofortiges Feedback, 100 Millisekunden)
- Das Chatfenster öffnet sich (200 Millisekunden)
- Die erste KI-Antwort erscheint (500 Millisekunden)
- Der Rest der KI-Antwort wird gestreamt (ein bis zwei Sekunden)
Wahrnehmung des Nutzers: sofortige Antwort (Animation und Fenster sind sofort sichtbar).
Edge Computing und verteilte Performance
Edge Computing bringt die Berechnung näher an die Nutzer. Ein Server zieht von New York an einen Edge-Standort in Los Angeles um. Die TTFB wird deutlich besser.
Künftig passiert die Berechnung am Edge. Das HTML wird am Edge erzeugt. JavaScript läuft am Edge. Datenbankabfragen werden auf den Edge verteilt.
Wirkung auf die Kennzahlen: Die TTFB spielt kaum noch eine Rolle (die Netzwerklatenz geht gegen null). Der LCP hängt von der Darstellung ab, nicht von der Serverantwort.
Künftiger Optimierungsfokus: die Darstellungsleistung, nicht die Serverantwort.
Beispiel: eine künftige Startseite auf Edge-Basis.
Heutiger Stand:
- TTFB: 200 Millisekunden (Server in New York, Nutzer in Los Angeles)
- LCP: zwei Sekunden (LCP = TTFB + Darstellungszeit)
Künftiger Stand (Edge Computing):
- TTFB: 20 Millisekunden (Server am Edge in Los Angeles)
- LCP: 1,5 Sekunden (die Darstellungszeit ist der Engpass, nicht die Serverantwort)
Optimierung: Die Verbesserung der Darstellung (CSS, JavaScript) wird wichtiger als die Verbesserung der Serverantwort.
Gefühlte Performance und subjektive Kennzahlen
Objektive Kennzahlen: Der LCP liegt bei zwei Sekunden (messbar, objektiv).
Subjektive Kennzahlen: Die Seite fühlt sich reaktionsfähig an (subjektiv, wahrgenommen).
Studien zeigen: Eine Seite, die sich reaktionsfähig anfühlt, kann dieselben technischen Werte haben wie eine, die sich langsam anfühlt. Den Unterschied machen Animationen, visuelles Feedback und der wahrgenommene Ladevorgang.
Eine künftige Kennzahl: die wahrgenommene Reaktionsfähigkeit. Sie misst, wie der Nutzer etwas erlebt, nicht nur den technischen Wert.
Beispiel: zwei Seiten mit demselben LCP (zwei Sekunden).
Seite eins: Sie lädt sofort eine leere Seite, der Inhalt erscheint erst nach zwei Sekunden. Der Nutzer empfindet sie als langsam.
Seite zwei: Sie zeigt sofort einen Skeleton-Screen (200 Millisekunden) und füllt den Inhalt bis zur Zwei-Sekunden-Marke nach und nach auf. Der Nutzer empfindet sie als schneller (der Skeleton-Screen erzeugt den Eindruck eines schnelleren Ladevorgangs).
Technische Kennzahl (LCP): bei beiden gleich (zwei Sekunden).
Wahrnehmung des Nutzers: Seite zwei fühlt sich schneller an.
Eine künftige Kennzahl: ein Wahrnehmungswert (misst das subjektive Erleben neben den technischen Kennzahlen).
Streaming und progressives Rendering
Der heutige Ansatz: Die ganze Seite wird erzeugt und an den Client gesendet. Der Client stellt die Seite dar. Die Seite ist interaktiv.
Der Streaming-Ansatz: Teile der Seite werden gesendet, sobald sie fertig sind. Der Client empfängt und stellt sie nach und nach dar. Die Seite ist teilweise interaktiv, bevor sie ganz geladen ist.
Wirkung: Eine Seite, die zwei Sekunden bis zum vollständigen Laden braucht, kann mit Streaming schon nach 0,5 Sekunden interaktiv sein.
Eine künftige Kennzahl: Time to Interactive (TTI). Wie lange es dauert, bis der Nutzer mit der Seite interagieren kann.
Beispiel: eine Produktseite mit Empfehlungen.
Heutiger Ansatz:
- Das HTML lädt (0,5 Sekunden)
- Das CSS lädt (0,3 Sekunden)
- Das JavaScript lädt (0,5 Sekunden)
- Der API-Aufruf für Empfehlungen (eine Sekunde)
- Die Seite ist nach 2,3 Sekunden interaktiv
Streaming-Ansatz:
- Das HTML wird gestreamt (0,1 Sekunden), die Seitenstruktur ist sichtbar
- Das CSS wird gestreamt (0,2 Sekunden), die Seite ist gestaltet
- Das JavaScript wird gestreamt (0,3 Sekunden), die Seite ist interaktiv
- Der API-Aufruf für Empfehlungen läuft im Hintergrund weiter
- Die Seite ist nach 0,5 Sekunden interaktiv
- Die Empfehlungen erscheinen nach einer Sekunde und später
Der Nutzer kann nach 0,5 Sekunden interagieren (in den Warenkorb legen, auf Schaltflächen klicken). Der volle Inhalt erscheint nach einer Sekunde und später.
Die künftige Kennzahl (TTI): 0,5 Sekunden (vorher 2,3 Sekunden). Eine riesige Verbesserung für das Erleben der Nutzer.
Häufig gestellte Fragen
Soll ich schon jetzt die KI-Antwortzeit messen?
Ja, wenn deine Website KI-Funktionen hat. Miss die Zeit bis zum ersten Token. Verfolge sie täglich. Setze Ziele (unter 500 Millisekunden ist gut). So bist du auf eine Zukunft vorbereitet, in der das eine Standardkennzahl wird. Auch wenn sie noch nicht offiziell ist: Wer misst, was für die eigenen Nutzer zählt, ist für die Zukunft gerüstet. Mit dem Website-Builder von WEMASY kannst du das direkt auf deiner Website einrichten.
Wie bereite ich mich auf künftige Performance-Kennzahlen vor, die ich noch nicht kenne?
Baue ein flexibles Messsystem auf. Miss die Core Web Vitals (der heutige Standard). Miss zusätzlich eigene Kennzahlen (was für dein Geschäft zählt). Entstehen neue Kennzahlen, ergänzt du sie neben den bestehenden. Flexibilität ist der Schlüssel.
Soll ich für die Performance in Edge Computing investieren?
Ja, wenn du Nutzer weltweit hast. Edge Computing senkt die TTFB deutlich (die Netzwerklatenz entfällt). Das lohnt sich. Sind deine Nutzer in einer Region konzentriert, reicht ein CDN. Ein globales Publikum profitiert von Edge Computing.
Wie messe ich die gefühlte Performance?
Befrage deine Nutzer. Frage: Fühlt sich die Seite schnell, reaktionsfähig und stabil an? Vergleiche die Umfrageergebnisse mit den technischen Kennzahlen. Vielleicht stellst du fest, dass Nutzer die Seite als schneller empfinden, obwohl die technischen Werte gleich sind. Nutze das Feedback für dein Design (Skeleton-Screens, Animationen und visuelles Feedback ergänzen).
Wird Time to Interactive (TTI) zur neuen Standardkennzahl?
Möglich. Für interaktive Seiten sagt der TTI mehr aus als der LCP (der Nutzer kann handeln, bevor die Seite ganz geladen ist). Doch derzeit sind die Core Web Vitals (LCP, CLS, INP) der Standard. Der TTI kommt auf, ist aber noch nicht offiziell. Beobachte beide.
Wie bleibe ich über neue Performance-Kennzahlen und Standards auf dem Laufenden?
Folge den offiziellen Quellen: den Performance-Updates von Google, den Entwicklerblogs von Google und den Gremien für Webstandards. Folge auch der Branche: Fachmagazinen für Webentwicklung, Blogs zu Performance-Tests und Vorträgen auf Entwicklerkonferenzen. Neue Kennzahlen tauchen über diese Kanäle auf. Bleib informiert. Übernimm einen neuen Standard früh, sobald er für deine Website relevant wird.